
Grundriss lesen: Zeichen, Symbole und Abkürzungen einfach erklärt
Ein Grundriss ist ein horizontaler Schnitt durch das Gebäude: Stellen Sie sich vor, das Haus wird etwa einen Meter über dem Fußboden durchgeschnitten und Sie blicken von oben auf die untere Hälfte. So bleiben Wände, Tür- und Fensteröffnungen, Treppen und die Maße der Räume im Bild. Haben Sie einen Grundriss in der Hand – aus der Bauakte, einem Immobilieninserat oder vom Bauunternehmen – und sind Ihnen einige Zeichen unklar, finden Sie hier die Grundriss-Zeichen, Zahlen und Abkürzungen, die Sie wirklich brauchen. Sie erfahren, woran sich tragende Wände und Trennwände im Plan üblicherweise unterscheiden lassen, in welche Richtung eine Tür aufgeht, was Maßketten, Kreise mit Nummern und Kürzel wie HWR, BRH und OKFF bedeuten – und wann es sich lohnt, einen alten Plan neu zeichnen zu lassen.
Plankopf und Maßstab: Was sollten Sie sich zuerst ansehen?
Bevor Sie sich die Zeichen ansehen, schauen Sie in die Ecke des Blatts. Auf einer Projektzeichnung befindet sich dort das Schriftfeld, oft Plankopf genannt: Maßstab (bei Grundrissen meist 1:50 oder 1:100), Bezeichnung und Nummer der Zeichnung, Datum und Planungsstand. Der Maßstab im Plankopf gilt für das Original – auf einer Kopie können Sie nur messen, wenn der Maßstab beim Scannen und Drucken erhalten geblieben ist; bei einem nur zur Veranschaulichung dienenden Grundriss aus einem Inserat und einer mit dem Handy fotografierten Kopie dürfen Sie keine Maßstabstreue voraussetzen. Gibt es auf dem Blatt einen Nordpfeil, zeigt er die Lage des Gebäudes zu den Himmelsrichtungen, also wohin die Fenster ausgerichtet sind. Ein Grundsatz noch, bevor es um die Zeichen geht: Die Darstellung kann sich zwischen Büros und Epochen unterscheiden. Hat die Zeichnung eine Legende, ist diese maßgeblich; im Folgenden finden Sie die gängigsten Konventionen. Woran Sie die Genauigkeit eines Grundrisses erkennen, haben wir im Ratgeber zum maßstabsgetreuen Grundriss beschrieben.
Wände: tragende Wand und Trennwand
Wände gehören zu den wichtigsten Elementen eines Grundrisses. Eine dickere, oft schwarze oder schraffierte Wand ist meist eine Außenwand oder eine tragende Wand; die dünne Linie ist in der Regel eine Trennwand. Auf alten Plänen zeigt die Schraffur häufig das Material – Ziegel, Beton und Holz sind mit unterschiedlichen Mustern dargestellt –, auf aktuellen Plänen kann eine tragende Wand schlicht dunkler gefüllt sein; die Darstellung ist aber nicht einheitlich, maßgeblich bleibt die Legende. Eine Warnung: Die Strichstärke im Plan ist kein Beleg dafür, dass eine Wand entfernt werden darf. Ob eine Wand tragend ist, sagt der Tragwerksplaner, nicht die alte Zeichnung.
Auf einem Umbauplan gibt es Wände in drei Zuständen: Bestand, Abbruch und Neubau. Üblicherweise wird Abbruch gestrichelt oder gelb und Neubau rot oder schraffiert dargestellt – die genaue Bedeutung steht aber in der Legende der jeweiligen Zeichnung, eine einheitliche Regel gibt es nicht.
Türen, Fenster und Treppen
Tür. In der Wandöffnung sind das Türblatt und ein Bogen eingezeichnet: Der Bogen zeigt die Öffnungsrichtung und den Schwenkbereich des Türblatts. Eine Schiebetür hat keinen Bogen; das Türblatt wird in der Wand oder neben ihr dargestellt.
Fenster. In der Außenwand ist eine Öffnung mit einer oder mehreren dünnen Parallellinien dargestellt – für Rahmen und Verglasung. Das Fenstermaß lesen Sie an der Maßkette oder in der Fensterliste ab, nicht nach Augenmaß.
Treppe. Die Stufen sind meist als Parallellinien dargestellt; die Lauflinie mit Pfeil zeigt die Steigungsrichtung nach oben. Eine schräge Bruchlinie kennzeichnet in der Regel den Treppenbruch – die Stelle, an der die Schnittebene die Treppe schneidet.
Gestrichelte Linien können zeigen, was oberhalb der Schnittebene liegt oder verdeckt ist – einen Deckendurchbruch, ein Vordach über dem Balkon, den oberen Teil eines Schranks –, auf einem Umbauplan aber auch eine Abbruchwand. Was gilt, sagt die Legende.
Zahlen: Maße, Flächen und Höhen
Eine Maßkette ist eine dünne Linie mit Schrägstrichen oder Pfeilen an den Enden und einer Zahl darüber. In deutschen Bauzeichnungen stehen die Maße meist in Zentimetern, größere Maße in Metern mit Kommastelle: 394 und 3,94 bedeuten beide 3,94 Meter. In estnischen und skandinavischen Plänen sind dagegen meist Millimeter üblich, dort steht 3940. Im Zweifel suchen Sie die Einheit im Plankopf oder in der Legende. Beim Raumnamen steht meist auch die Fläche in Quadratmetern. Die Höhenkote ±0,00 ist die Bezugshöhe des Gebäudes, meist die Oberkante des fertigen Fußbodens im Erdgeschoss; +2,80 oder −1,20 geben an, wie viel höher oder tiefer eine Ebene liegt.
Kreise mit Nummern, Achsen und Abkürzungen
Eine Nummer im Kreis innerhalb eines Raums ist die Raumnummer: Bezeichnung, Nutzung und Fläche stehen in einer separaten Raumliste. Die Kreise mit Buchstaben und Zahlen am Blattrand bezeichnen die Achsen des Gebäudes – ein Raster, mit dem Planer und Bauleute Positionen beschreiben. Die mit A–A oder 1–1 gekennzeichnete Linie mit Pfeilen an den Enden ist die Schnittlinie, A–A bzw. 1–1 die Schnittbezeichnung: Sie zeigt, wo ein vertikaler Schnitt gelegt wurde und in welche Richtung man blickt; der Schnitt selbst ist häufig auf einem eigenen Blatt zu finden, auf das neben der Schnittlinie verwiesen wird.
Auf deutschen Plänen sind viele Abkürzungen gebräuchlich; ihre Verwendung kann jedoch je nach Büro und Zeichnung variieren.
Räume: WZ Wohnzimmer, SZ Schlafzimmer, KI Kinderzimmer, B oder BAD Badezimmer, WC Toilette, FL Flur, HWR Hauswirtschaftsraum, SPK Speisekammer, HAR oder TR Hausanschluss- bzw. Technikraum. Geschosse: KG Keller-, EG Erd-, OG Ober- und DG Dachgeschoss.
Technische Angaben: OKFF Oberkante Fertigfußboden, OKRF Oberkante Rohfußboden, UK und OK Unter- und Oberkante, BRH Brüstungshöhe (von OKFF bis zur Fensterbrüstung), LH lichte Höhe, DD Deckendurchbruch, WD Wanddurchbruch, FBH Fußbodenheizung, NHN Normalhöhennull – in älteren Plänen noch NN Normalnull. Ein alter Plan aus einem anderen Land kann weitere Kürzel enthalten: Auf Zeichnungen aus der Sowjetzeit ist die Beschriftung teils in kyrillischen Buchstaben, und die Buchstaben-Zahlen-Kombinationen an Türen und Fenstern sind in der Regel Typenbezeichnungen, kein Fehler. WC, Waschbecken, Badewanne, Dusche, Herd und Spüle sind vereinfacht gezeichnet und zeigen den Platz, nicht das Modell.
Dieselbe Wohnung vorher und nachher
Die Archivkopie auf dem Bild unten ist ein typisches Beispiel für die Vorlagen, die wir am häufigsten bekommen: schraffierte Wände, Maße in Millimetern, Typenbezeichnungen an Türen und Fenstern und ein Teil der Beschriftung in kyrillischen Buchstaben – hier eine Wohnung in einem estnischen Mehrfamilienhaus aus der Sowjetzeit. Auch hier ist die Schraffur allein kein sicherer Nachweis für eine tragende Wand.

Den Grundriss dieser Wohnung haben wir in AutoCAD neu gezeichnet: Raumnamen ausgeschrieben, Flächen und Maße ergänzt, einheitliche Zeichen verwendet. Die Nummern im Bild verweisen auf die Zeichen, die in diesem Ratgeber erklärt werden.

1 tragende Wand · 2 Trennwand · 3 Tür und Öffnungsrichtung · 4 Fenster · 5 Maßkette in Millimetern · 6 Raumname und Fläche · 7 Sanitärobjekte · 8 Herd und Spüle
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, in welche Richtung eine Tür aufgeht? Am Bogen neben der Tür: Der Bogen zeigt den Schwenkbereich des Türblatts und liegt in dem Raum, in den die Tür öffnet.
Kann ich mit dem Lineal im Grundriss messen? Nur wenn der Plan im Maßstab des Plankopfs vorliegt und beim Scannen oder Drucken nicht skaliert wurde. Sicherer ist es, die Maßketten zu lesen; auf einer unscharfen gescannten Kopie oder einem Inseratsgrundriss sollten Sie dem Lineal nicht trauen.
Was bedeutet eine Nummer im Kreis? Innerhalb eines Raums ist es die Raumnummer, deren Bezeichnung und Fläche in der Raumliste stehen; am Blattrand bezeichnet der Kreis eine Achse.
Wenn der Plan alt, unscharf oder in einer fremden Sprache ist
Haben Sie gar keinen Plan, hilft unser Ratgeber zur Bauakte: So finden Sie den alten Grundriss Ihres Hauses. Liegt der Plan vor, ist aber schwer zu lesen, zeichnen wir ihn von Hand in AutoCAD neu: Sie senden die gescannte Datei oder ein Foto, wir schätzen den Umfang und senden ein kostenloses Angebot. Das Ergebnis ist ein sauberer Grundriss mit Raumnamen, Flächen und Maßen – so genau, wie es die Vorlage und die von Ihnen gelieferten Maße zulassen. Sie erhalten ihn als PDF und als bearbeitbare DWG-Datei, mit der Planer oder Bauunternehmen weiterarbeiten können. Ist eine Stelle im Original unleserlich, kennzeichnen wir sie sichtbar im Plan und ergänzen nichts auf Verdacht. Ein neu gezeichneter Grundriss ist eine Planungsgrundlage, keine Bauplanung.
Benötigen Sie das auch für Ihre Zeichnung? Wir übernehmen das für Sie: Pläne digitalisieren — senden Sie uns Ihre Zeichnung und Sie erhalten ein kostenloses Angebot.




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